Not Your Baby.

— ENGLISH VERSION BELOW —

Sommer. Sonne. 34 Grad. Die Luft drückt. Schweiß auf meiner Haut. Deine Blicke. Ich spüre sie. Wie sie meinen Rücken entlang wandern. Zu meinem Arsch. Meinem Zitat: „boah geil, richtig fetten Arsch“. Ich spüre sie bereits wenn ich auf Dich zulaufe. Vorahnend. Ich spüre sie schon lange. Ich habe sie immer gespürt.

Danke, aber Du kannst Dir Deine KoMpLiMeNtE sparen. Ich brauche sie nicht. Ich will sie nicht. Und nein, ich brauche auch keine Begleitung nach Hause, keinen neuen Freund und keine Gesellschaft für die Nacht. Nicht gestern, nicht heute und – guess what – morgen auch nicht. Wenn ich mich hemmungslos von irgendeinem Fremden durchficken lassen will, gehe ich zu Tinder.

Sexuelle Belästigung ist kein Kompliment. Ich fühle mich nicht geschmeichelt wenn mir nach einer anstrengenden Schicht nachts auf dem Weg nach Hause an jeder Ecke Leute hinterherrufen. Pfeifen. Mit mir mitlaufen. Und auch nicht tagsüber. Und auch nicht wenn ich nur kurz zum Späti gehe. Oder auf dem Weg zum See bin oder wohin auch immer. Und wenn ich nackt durch die Straße laufen würde: I’m still not asking for it. Ich kann auch nicht verstehen was an meiner Wut darüber so lustig sein soll. Oder macht es Dich etwa scharf wenn ich Dich anpampe und Dir den Mittelfinger zeige?

Und wenn ich tatsächlich so UnWiDeRStEhLiCh heiß sein sollte, dass Du nicht anders kannst, Dein Hirn Dir nur noch eins signalisiert und Du Deinem Druck mit einer banal-brünstigen Bemerkung Erleichterung verschaffen musst – dann verkneif’s Dir. Oder sei wenigstens so leise, dass ich Dich nicht höre. Ich habe absolut keine Lust, Deine ätzende Machtdemonstration auch nur mitzubekommen.

Ich bin es Leid. Ich bin es Leid, mir zweimal zu überlegen, ob ich bei diesen Temperaturen einen kurzen Rock anziehe oder mich doch lieber mit der Hoffnung auf weniger Blicke in eine lange Hose zwänge. Ich bin es Leid, mir jedes fucking Mal zu sagen, dass ich „solche Situationen ja gewohnt bin und damit klar komme“. Es Leid, mich zu fragen, ob meine Reaktion genug war. Oder die Richtige. Mich selbst zu hinterfragen, zu tadeln. Es Leid, überrumpelt zu sein und wieder einmal kein Wort herauszubekommen. Es Leid, meinen Mut zusammenzunehmen und zurück zurufen. Es Leid, mich fast schon auf den Winter zu freuen wo ich mich unter meine dicken Pullis verstecken kann.

Verdammt, ich liebe den Sommer. Sonne. 34 Grad. Die Luft drückt. Schweiß auf meiner Haut. Ich will mich darüber freuen. Und Du, Du wirst meinen „fetten Arsch“ noch oft in irgendeiner engen Radlerhose sehen. Komm endlich darauf klar.

— ENGLISH VERSION —

Summer. Sun. 34 degree C. The air is dense. Sweat on my skin. Your gaze. I am sensing it. How it wanders along my back to my but. My quote: „uh sexy, big fat but“. I’m sensing it already when I am walking towards you. Presentimental. I have always sensed it.

Thank you but you can keep your CoMpLiMeNtS for yourself. I don’t need them. I don’t want them. And no, I don’t need any attendance on my way home, no new boyfriend and no company for tonight. Not yesterday, nor today or – guess what – tomorrow either. When I want to get fucked uninhibitedly by some random stranger I will use Tinder.

Sexual harassment is not a compliment. I don’t feel flattered when I am walking home at night after an exhausting shift and there are people at every corner calling at me. Whistling. Walking after me. And also not during the day. And not when I’m just getting something from the Späti. Or when I am on my way to the lake or to wherever. And if I would walk completely naked through the streets: I’m still not asking for it. I also can’t understand what’s so funny about me being angry. Or does it make you horny when I am shouting at you and showing you the middle finger?

And if I would actually be that IrReSiStIbLe hot and you can’t help it, your brain is only signaling only one thing to you and you just have to relief your pressure with a trivial rutting comment – just hold it back. Or at least say it so quietly that I cannot hear you. I absolutely don’t want to just even notice your lousy show of strength.

I am so tired of it. I am so tired of thinking twice about wearing a short skirt at these temperatures or squeezing myself into some long pants hoping that there will be less people commenting. I am so tired of telling myself that I „do know such situations and can manage them“. So tired of asking myself if my reactions were enough. Or the right ones. Questioning myself, criticizing myself. So tired of being overwhelmed and again not able to speak. So tired of taking all my courage and shouting back. So tired of almost wanting winter to come where I can hide myself underneath some thick pullovers.

Damn it, I love summer. Sun. 34 degree C. The air is dense. Sweat on my skin. I want to be happy about that. And you, you will still see my „big fat but“ in some tight cycling shorts often. Deal with it.

PETITION AGAINST CATCALLING in Germany:

https://www.openpetition.de/petition/online/es-ist-2020-catcalling-sollte-strafbar-sein

BLACKOUT TUESDAY

Ich werde nicht groß meine Gefühle und Emotionen zu den letzten Tagen teilen, denn es ist nicht meine Stimme, die nun gehört werden sollte. Wir sollten Schwarzen Menschen zuhören, da diese direkt von Rassismus betroffen sind. Wir hätten es schon längst tun sollen!

Was ich aber sagen möchte ist – und das gilt für mich ebenso wie für alle anderen weißen Personen – dass wir es wirklich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr leicht haben:
Wir können ein kleines schwarzes Quadrat posten, uns getrost auf die Schulter klopfen, da wir nun öffentlich kein*e Rassist*in sind, zufrieden unseren Laptop zuklappen oder unser Handy zur Seite legen und uns wieder unserer Serie oder irgendeiner anderen Lappalie zuwenden. Wir haben „etwas“ getan, wir können uns jetzt „gut“ fühlen. Wir können dem „Thema“ Rassismus den Rücken kehren, es ignorieren wenn es uns zu unbequem, wenn es uns „zu viel“ wird. Das ist ein FUCKING GROSSES PRIVILEG.

Klar, keine*r „will“ Rassist*in sein. Deswegen posten oder liken wir schnell mal kurz was auf Instagram & Co. Damit das auch ja alle sehen. Es ist damit aber nicht getan. Rassismus verschwindet nicht einfach wenn wir den Laptop zuklappen. Wenn das Handy aus ist. Wir müssen verdammt nochmal endlich lernen, Verantwortung zu übernehmen. Denn ganz genau: Wir sind nicht nur Teil des Problems – wir sind die Ursache.

WIR SIND DAS PROBLEM.

Verantwortung übernehmen ist also das Mindeste, was wir tun können, müssen und sollten. Verantwortung übernehmen heißt aber auch und vor allem: Sich informieren.

ZUHÖREN UND LERNEN.

Zum Beispiel: Was bedeutet es, rassistisch sozialisiert zu sein? Wo verhalte ich mich selbst rassistisch, ohne es sogar zu merken? Wie kann ich mich auch in meinem alltäglichen Leben solidarisieren? In welchen Situationen habe ich bisher geschwiegen, die meine Stimme, meinen Diskurs gebraucht hätten?
Was bedeuten Begriffe wie White Supremacy, White Fragility oder White Privilege?
Warum ist es wichtig zu sagen: Black Lives Matter und nicht „All Lives“ Matter?
Warum ist es rassistisch und somit verletzend zu sagen: „Ich sehe keine Hautfarbe.“?

WAS KANN ICH TUN?

Gibt es Petitionen, die ich unterschreiben kann?
Wo kann ich spenden?
Auf welche Demo kann ich gehen?
Mit welchen Menschen in meinem Umkreis muss ich reden, weil ich deren Rassismus bisher ignoriert habe? Wie geht es meinen von Rassismus betroffenen Freund*innen? Brauchen sie meine Unterstützung?

Es gibt etliche unterschiedliche Wege, die nicht alle für jede Person passen. Aber es gibt für jede Person mindestens einen Weg. Wenn ich zum Beispiel kein Geld zum spenden habe, kann ich auf eine Demo gehen. Wenn ich nicht auf eine Demo gehen kann weil ich Panik in größeren Menschenmengen bekomme, kann ich ein Buch lesen, einen Film gucken, mich weiterbilden und mit meinem Umfeld sprechen und diskutieren. Aber ein schwarzes Quadrat bringt rein gar nichts wenn es nur ein schwarzes Quadrat bleibt. Im Gegenteil!

Wie gesagt, ich bin bei Weitem nicht perfekt und habe selbst noch viel zu lernen. Und genau darum geht es: Einzusehen, dass wir eben nicht perfekt sind. Und dann dazu stehen, da ansetzen und daran arbeiten. Nicht wegzuschauen wenn es unbequem wird. Nicht einfach den Laptop zuzuklappen.

Was die Wenigsten von uns wahrhaben wollen ist, dass Rassismus überall tief verankert ist: Alltäglicher, institutioneller und struktureller Rassismus ist nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland, ganz Europa und an dessen Außengrenzen allgegenwärtig. Rassistische Polizeigewalt existiert auch bei uns.

Wie viel Zeit wollen wir also noch verschwenden?

BLACK LIVES MATTER.

so sad so sexy.

Schwere Glieder, krampfendes Herz.
Jede einzelne Zelle, jede Pore vor Anspannung schmerzt.
Tränen gefangen hinter meinen Lidern,
Laute ersticken in meiner Kehle wieder.

Meine Haut spannt,
Träge Bewegung.
Habe mich ver-spannt,
Mit jeglicher Regung.

Direkt vor der Nase anderer Leute Glück,
Lässt mich heute noch einsamer zurück.
Tiefe Verbindungen, bittersüße Küsse,
Lassen mich Dich heute noch stärker vermissen.

Unstillbares Verlangen, nicht endender Durst.
Obwohl ich Dich gar nicht kenne.
Nicht mal weiß, wer Du sein wirst.

Mein Blut fließt langsamer heute.
Der Kopf zum Bersten gefüllt.

Leere wiegt schwerer als das tiefste Gefühl.

Wie ?!

Wie?

Wie kann ich denn,
Wenn in Australien die Erde brennt,
Wenn überall nur Hass und Krieg regieren?

Wie kann ich denn mein ganz normales Leben weiterführen?
Wie?

Behütet und geborgen,
Privilegiert und ohne Sorgen.
Jeder Schritt zu klein erscheint,
Weil es immer irgendwo ein machtvoller Idiot anders meint.

Was muss denn noch gescheh’n?
Damit wir, die Menschen, e n d l i c h verstehen.
Verstehen, dass die Welt nicht uns gehört.

Das ird’sche Gleichgewicht komplett gestört.
Dem Abgrund nahend,
Geschwächt.
Die Erden-Glieder.

Und du dich immer noch daran störst,
Dich über jegliche Minderung deiner Gemütlichkeit empörst.

Wir müssen aufwachen.
Wir müssen uns sorgen.
Verdammt nochmal schon vorgestern als übermorgen.

HOW DARE YOU ?!

Picture inspired by the wonderful artwork of Laura Klinke !

— ENGLISH VERSION BELOW —

So, hier jetzt auch mal mein Senf zum Global Climate Strike und der Week for Future: Seit dem 20.09. machen meine Gefühle eine regelrechte Achterbahnfahrt. Höchste Euphorie und bitterste Ernüchterung treffen sich und meine Gedanken passen mal wieder nicht in die Caption auf Instagram.

Wow, was für ein Tag, was für eine Woche! Über 270.000 Menschen gehen in Berlin für den Klimaschutz, für unsere Zukunft auf die Straße, nur in Berlin. Über 1,4 Millionen in Deutschland! Wie wunderschön! Wenn mich jemals ein Tag richtig hoffen ließ, dann der Freitag vor einer Woche. Erst die riesige, nein, gigantische Demo von Fridays for Future, dann gemeinsamer Ziviler Ungehorsam überall in der Stadt und abschließend wieder zur Rave-Demo auf dem Alexander-platz. Der ganze Platz vibriert.

Oh Berlin, I fucking love you! Ich könnte mir momentan keine andere Stadt denken, in der ich so unglaublich glücklich wäre. Hier fühle ich richtig, fühle mich wohl. Hier kann ich sein – hier kann ich ich sein.

Zeitgleich mit der Euphorie kommt die Ernüchterung: Das Klimaschutz-Paket der Bundesregierung ist totaler Mist. Es reicht hinten und vorne nicht. (Lest warum auf Louisa Dellerts Blog.)

Ich bin regelrecht überwältigt von diesem Tag, sitze auf meinem Sofa und kann nichts anderes als heulen. Vor Freude: Das ist der Weg, so muss es weiter gehen – so und nie wieder weniger! Und vor Wut und Hilflosigkeit denn wie Carola Rackete sagt: Unser Planet stirbt. Aber anscheinend interessiert das alle anderen mehr als unsere Regierung. Wie kann das sein? Wie kann das sein, dass 1,4 Millionen Menschen der Ernst unserer Lage mehr bewusst ist als denen, die „unser Land“ auf dem UN-Klimagipfel vertreten? Wieso ist es so schwer zu verstehen, dass wir KEINE ZEIT mehr haben?! Ein Armutszeugnis.

Greta Thunberg hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können: HOW DARE YOU?!

So ernüchternd, so unglaublich niederschmetternd es auch ist, nach diesem Tag kann mir niemand, wirklich absolut niemand mehr sagen, dass eine einzige Person nicht die Welt verändern kann! Die Ausrede, dass man „alleine ja eh nichts bewirken kann“, gilt einfach nicht mehr. Ich will und werde meine Zukunft und die meiner ungeborenen Kinder, Enkel und Urenkel nicht von ein paar Politikern zerstören lassen, die ihren Arsch nicht hoch bekommen. Einfach Nein! Hier müssen wir ansetzen, hier müssen wir weitermachen! Und es geht weiter: Letzten Freitag. Über 500.000 Menschen streiken in Montréal, um nur eine von vielen Städten weltweit zu nennen. Insgesamt sind mindestens 7 Millionen Menschen diesen und letzten Freitag auf die Straßen gegangen – der Wahnsinn! SO UND NIE WIEDER WENIGER!

Achja und wo wir schon dabei sind: Es MUSS aufhören, dass Menschen, die sich so stark für die Welt einsetzen, für jeden ach so kleinen „Fehler“ verurteilt und nieder gemacht werden! Wie schwach ist es, wenn man immer die Fehler bei anderen Menschen suchen muss, nur um von seiner eigenen Scheiße, seinem eigenen schlechten Gewissen abzulenken. Ein richtig erbärmliches Beispiel ist die neue YouTube-Reihe der CSU „CSYou„, die mir vor ein paar Tagen gezeigt wurde. Anstatt peinliche Videos zu machen, sollten sie sich mal an die eigene Nase fassen und ein gutes Beispiel an Menschen wie Greta Thunberg, Madeleine Daria Alizadeh oder Louisa Dellert nehmen.
Ich bewundere und danke euch aus tiefstem Herzen, dass ihr unerbittlich mit Herzblut und gutem Beispiel voran geht, obwohl ihr damit zur Zielscheibe für so viel unberechtigte Kritik und Hate werdet. Dass ihr trotzdem nicht aufhört, weiter macht und stark bleibt. DANKE ❤

Vielleicht bin ich naiv, leichtgläubig, pathetisch, emotional – vielleicht habt ihr das jetzt schon hundert Mal von mir gelesen oder gehört – es könnte mir nicht weniger egal sein als vergangene Woche und ich werde nicht müde es zu sagen: Ich werde nie, nie, nie aufhören an eine bessere Welt zu glauben. An eine Zukunft, an das Gute im Menschen. Und an die Liebe. Es ist möglich. Es muss möglich sein.

— ENGLISH VERSION —

So this the the Global Climate Strike and the Week for Future in my two cents: My feelings are on a proper roller coaster ride since Friday, the 20th September.

Wow, what a day, what a week! 270k people got on the streets for climate justice, for our future, only in Berlin. 1.4 Million in Germany! How beautiful! If there has ever been a day to make me feel hope then Friday a week ago. First this huge, no, gigantic demonstration of Fridays for Future, civil disobedience all over the city afterwards and back to the rave demonstration on the Alexanderplatz in the end. The whole square was vibrating.

Oh Berlin, I fucking love you! I cannot imagine another city where I would be that incredibly happy right now. I feel right here, feel comfortable. I can exist here – I can be me.

Simultaneosly with euphoria comes disillusion: The climate protection package of the German Federal Government is complete bullshit. It’s nothing like enough. (Read why on Louisa Dellert’s Blog.)

I’m sitting on my sofa, completely overwhelmed from this day and can’t help it but cry. Crying for joy: This is it, this is how it has to continue – like this and never less again! And crying for anger and hopelessness because Carola Rackete is right: Our planet is dying. But eventually everyone else is more interested in that than our Government. How can that be? How can that be that at least 1.4 Million people are more aware of our situation than the ones who are representing the country at the UN Climate Action Summit? Why is it so hard to understand that there is NO MORE time left?! What a pathetic display.

Greta Thunberg couldn’t have said it any better: HOW DARE YOU?!

As disillusioning this is, as incredibly devastating, still, after this day noone, honestly absolutely noone can tell me that one single person can’t change the world! The excuse that one alone „can’t effect anything anyways“ doesn’t count anymore. I don’t want to and I won’t let my future and the future of my unborn childs, grandchilds and great-grandchilds be destroyed because some politicians just can’t get their head out of their butts. Definitely no! This is were we have to begin, this is where we have to continue. And it continues: Yesterday. Over 500k people are striking in Montréal, to name only one of many cities worldwide. At least 7 Million people participated in the climate strikes this and last Friday – insane!

Also while we’re on it: Judging and dissing people for each oh so small „mistake“ who are already doing incredibly much for our world HAS to stop! How weak must one be if one always has to search for the mistakes of other people, only to distract from ones own shit and remorse?
A big pathetic example is the new YouTube series of the CSU „CSYou“ which was shown to me some days ago. Instead of posting embarrassing videos they should look who’s talking and follow the example of people such as Greta Thunberg, Madeleine Daria Alizadeh or Louisa Dellert. I admiring and thanking you from the bottom of my heart because you are setting a good example relentlessly with so much blood, sweat and tears even though you are becoming a target for so much unjustified criticism and hate. Because you are not stopping, because you are continuing and you are staying strong. THANK YOU! ❤

I might be naive, credulous, dramatic, emotional – You might have heard or read this a hundred times – I couldn’t care less than I did last week and I won’t become tired of saying it: I will never ever stop believing in a better world. In a future, in the good in man. And in love. It is possible. It has to be possible.

Jennifa Teneriffa over & out

To be honest:

Das bin ich. Nachdem ich geweint habe. Nachdem ist hier ein sehr relevantes Wort, denn wenn ich weine sehe ich nicht so aus: Mein Gesicht ist geschwollen, meine Züge verzerrt wie ein Baby, ich schwitze, die Rotze läuft mir aus der Nase und ich bekomme überall rote Flecken. Also das ist eindeutig ein Foto von mir nachdem ich geweint.

Der Auslöser: Ich habe mir das Video von Yoko und Klaas angeschaut (übrigens sehr zu empfehlen, sollte es bis heute jemand noch nicht gesehen haben!), in welchem sie ihre gewonnenen fünfzehn Minuten Sendezeit zur freien Verfügung auf ProSieben dafür nutzen, Menschen, die etwas Wichtiges zu sagen haben, eine Stimme, eine Plattform zu geben: In dem Video spricht Pia Klemp, Kapitänin, die Flüchtlinge im Mittelmeer rettet. Es spricht Dieter Puhl, Sozialarbeiter, der jahrelang die Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo in Berlin leitete. Und es spricht Birgit Lohmeyer, Schriftstellerin und Aktivistin, die zusammen mit ihrem Mann Horst seit Jahren der Schikane und den Übergriffen ihrer Nachbarn im Nazidorf Jamel trotzt und stattdessen unter anderem ein jährliches Rockfestival organisiert, um, Zitat: „demokratischen Gegenwind“ in das Dorf zu bringen. Es sind Menschen mit Geschichten, die berühren. Unglaublich starke, selbstlose Menschen. Menschen, die ich für ihre Arbeit, ihr Durchhaltevermögen und ihren Aktivismus zutiefst schätze und bewundere. Menschen mit erschütternden Geschichten, die wortwörtlich an die Nieren gehen und das Herz zerreißen. Und einmal mehr frage ich mich:

Was ist das für eine verdrehte Welt, in der wir leben?

So wunderbar, wertvoll und herzlich der Einsatz dieser Menschen auch ist, ist es doch so unendlich traurig, dass es diesen Einsatz überhaupt benötigt. Dass sie die Ausnahme bilden. Wie kann man überhaupt auch nur eine Sekunde darüber nachdenken, ob man einen Ertrinkenden retten sollte oder nicht? Wie kann man Menschen ernsthaft dafür verklagen und hinter Gitter bringen wollen, dafür, dass sie Menschen das Leben retten? Und das auch noch als Friedensnobelpreisträger EU! Wie kann man Menschen verurteilen und aus der Gesellschaft ausschließen, ohne sie und ihre Geschichten auch nur zu kennen? Und wie kann man Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Sexualität, ihres Geschlechts, ihrer Identität oder sonst etwas verurteilen und schikanieren? Wie kann man so viel hassen? Menschen dürfen krass rassistische Äußerungen und Fotos auf Social Media Plattformen wie Instagram hochladen, aber mein Nippel verstößt gegen die Richtlinien?! Kann mir das irgendwer mal erklären? Das alles verstehe ich einfach nicht. Es geht absolut nicht in meinen Kopf rein. Und das wird es auch nie.

Es gibt Tage, an denen mich die weltpolitsche Lage mehr deprimiert, als sie es sowieso schon tut. Dann liegt all die Verzweiflung, die Trauer über diese Umstände wie eine schwere Decke auf mir und erstickt nahezu alle Kraft. Heute ist so ein Tag. Heute ist aber auch ein Tag, an dem ich besonders emotionsgeleitet bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich als Sternzeichen Zwilling bin und gerade Zwillings-Zeit (Mai/Juni) ist. Ich glaube an so etwas, aber ich weiß es nicht. Ich bin auch so sehr beeinflusst von meinen Emotionen. An solchen Tagen kann es mir binnen Sekunden super gut und dann wieder unendlich schlecht gehen, je nachdem, welche Auslöser mich treffen. Es kann zwar mitunter sehr anstrengend sein, aber ich habe mich daran gewöhnt und gelernt, damit umzugehen. Ich weiß zum Beispiel, dass ich die große Traurigkeit in mir durch bestimmte Musik triggern kann, einmal laut und heftig weine und somit ein Ventil dafür schaffe. Ein Ventil nach draußen, sodass die Traurigkeit nicht weiter in mir herum wabert. Oder ich verleihe meinen Emotionen einen künstlerischen Ausdruck. Musik und Kunst sind immer gut. Das sind Möglichkeiten, die ich für mich gefunden habe, damit umzugehen. Und genauso wie ich meine Wege gefunden habe, muss jeder seine eigenen finden.

Weswegen aber schreibe ich darüber?

Ich habe das Gefühl, dass Emotionen immer noch ein Tabu-Thema sind. Es wird in unserer Gesellschaft so viel unterdrückt und totgeschwiegen. Alleine wie oft man gefragt wird, wie es einem geht und man nur mit einem „Gut.“ antwortet. Ein simples „Gut.“ kann so viel verschleiern. Ich hasse diese Frage. Und diese Antwort. An sich ist es eine total wichtige Frage, ist sie nur ernst gemeint. Aber sind wir doch mal ehrlich, wie oft fragen wir jemanden hundertprozentig aufrichtig und ehrlich, wie es einem geht? Wie oft ist es einfach nur eine dahin geworfene Frage, dessen ehrliche Antwort uns vielleicht gar nicht interessiert oder womöglich zu anstrengend wäre?

Mittlerweile übe ich. Ich übe, wahrhaftig auf solche Fragen zu antworten. Es ist nicht leicht und gelingt mir auch nicht immer. Zu groß sind mitunter noch meine Zweifel, meine Ängste, ob ich die Person mit meinen Gefühlen langweile oder gar überfordere. Aber ich übe. Und kann es wärmstens weiter empfehlen, denn es kann sehr befreiend sein.

Also warum schreibe ich darüber? Weil ich zeigen möchte, dass Emotionen nichts sind, was man verstecken muss. Oder sollte! Ich finde es sogar sehr fatal, seine Emotionen runterzuschlucken, zu unterdrücken, wie eine tickende Zeitbombe. Meine Emotionen gehören zu mir wie meine Haare, meine Augenringe oder meine kleinen Brüste. Meine Emotionen, das bin ich. Wahrscheinlich noch viel mehr ich, als mein Äußeres. Auch wenn es anstrengend sein kann, Emotionen sind auch etwas wahnsinnig tolles. Dann spüre ich mich, fühle mich lebendig. Gebe ich der lähmenden Traurigkeit in mir ein Ventil, kann ich mich davon befreien und mich aktiv für die Dinge einsetzen, die mir wichtig sind. Gegen die Dinge, die ich nicht verstehe.

Ich möchte auf gar keinen Fall Mitleid dafür! Manchmal weine ich eben und das ist okay so. Und ich bin dankbar dafür, dass es für mich wirklich okay ist, ich aber ansonsten gesund bin. Das ist wahnsinniges Glück, das ist mir bewusst. Also auf gar keinen Fall Mitleid bitte! Meiner Meinung nach kann ich aber nur für emotionale Offenheit plädieren, wenn ich mich selbst von meiner verwundbaren Seite zeige. Ja, ich bin auch verletzlich und das ist menschlich. Ich möchte mich nicht verstecken, nur weil es jemandem zu unbequem sein könnte, sich damit zu befassen.

Ich sage nicht, dass es leicht ist, und ich muss zugeben, dass ich großen Respekt davor habe, diesen Text zu veröffentlichen. Aber wenn wir offen sind, uns Vertrauen schenken können, werden wir merken, dass es um uns herum viele wunderbare Menschen gibt, die zum einen wohlmöglich ähnlich fühlen und zum anderen liebend gerne für einen da sind. Austausch und gegenseitige Unterstützung sind nur durch Ehrlichkeit möglich. Deswegen ist das hier ein Schritt für mehr Authentizität, Vertrauen und Ehrlichkeit. Deswegen poste ich ein Bild von meinen getrockneten Tränen. Ich vertraue mich Euch an.

Und so naiv es auch klingen, so deprimierend die weltpolitische Lage auch sein mag, so groß der Hass – ich werde nicht aufhören, an eine bessere Welt zu glauben und dafür zu kämpfen. Dann bin ich gerne naiv. Auch das bin ich. Wenn ich an etwas glaube, dann an Offenheit, Verständnis und an die Liebe.

Love is Key.

Jennifa Teneriffa over and out. ❤

Wehmut

Wehmut.

Ein letzter Tropfen auf dem heißen Stein
Leere, Stille, die Frage nach dem Sein.
Der Wermutstropfen klein und prägnant,
Oft verdrängt, allseits bekannt.

Die Morgensonne durch das milchige Fenster scheint
Die verdreckte Küche in lethargischem Glanz gemeint.
1000 Worte reichen nicht aus, ich vermisse dich.
Doch am Morgen bleibt nur ein verkatertes Gedicht.

Und doch weiß ich, es ist besser so.
So. Wie es ist.

Und ich bin doch nicht froh.

Wehmut.

Verlangen zerreißt mich und tut

nicht

gut.